Kultur und Geschichte

Benahoare, Isla Bonita und La Palma – Eine Insel mit drei Namen

Kristallblaues Wasser

Das Meer trennte die Ureinwohner von der restlichen Welt

Während sie heutzutage den Spitznamen La Isla Bonita trägt, hieß La Palma bei seinen Ureinwohnern Benahoare. Hin und wieder stößt man noch auf die Überreste ihrer alten Kultur, die der vieler nordafrikanischer Stämme verblüffend ähnelt. Die sogenannten Guanchen lebten organisiert in Stämmen und pflegten ihre steinzeitliche Kultur noch bis in die Neuzeit hinein. Ihre Höhlenmalerei und Reste von Grabstätten oder ehemaligen Siedlungen findet man überall auf der Insel verstreut, besonders häufig aber entlang der sogenannten Königswege, die damals die einzelnen Siedlungen miteinander verbanden. Diese Wege existieren bis heute und wer beim Wandern durch die Berge den rot-weißen Markierungen folgt, der ist den Guanchen und den Spuren ihrer Kultur schon ziemlich dicht auf den Fersen.

Die Guanchen und die Reste ihrer Kultur auf La Palma

Die spanischen Eroberer nahmen wenig Rücksicht auf die Traditionen und die Sprache der Guanchen und unterwarfen die Inselbevökerung dem Regime der Conquista, der christlichen Missionierung. Bis auf wenige sprachliche Überreste und die nach wie vor präsente Verehrung der örtlichen Schutzheiligen ist von der Sprache und Kultur dieses Berbervolkes kaum noch etwas überliefert. Obwohl sie technisch und entwicklungsgeschichtlich ihren Eroberern weit unterlegen waren, haben sie es ihren Eroberern nicht leicht gemacht. Gerade in den schwer zugänglichen Gebieten in der Caldera de Taburiente sowie im Norden der Insel leisteten einige Stämme erbitterten Widerstand. So erwies sich die Eroberung La Palmas als ein zunächst schwieriges und blutiges Unterfangen.

Wahrzeichen der Eroberer in Santa Cruz de la Palma

Langwierige Eroberung und ein Held namens Tanausú

Nach den Genuesern um Lancelotto Malocello im 13. Jahrhundert scheiterten auch die Kastilen unter Führung von Hernán Peraza im Jahr 1447 zunächst an dem Widerstand der palmerischen Ureinwohner. Trotz einer für damalige Verhältnisse großen Streitmacht von 500 Männern gelang es den Kastilen nicht, die Guanchen zu unterwerfen, und sie mussten sich mit großen Verlusten wieder zurück ziehen. Erst als im Jahr 1492 der berüchtigte General Alonso Fernández de Lugo die Streitmacht nochmal fast verdoppelte und mit über 900 Mann bei Tazacorte anlandete, gelang es ihm letztlich, den Widerstand der Ureinwohner zu brechen. Dabei kam die Eroberung durch die Spanier für die palmerische Bevölkerung nicht aus heiterem Himmel, war doch die Nachbarinsel El Hierro schon länger in Hand der Eroberer. So erfuhren die Einheimischen von einer Frau palmerischer Abstammung namens Francisca Gazmira, dass die Spanier ihnen die gleiche Rechte versprachen wie jene der spanischen Bürger. Gazmira war zuvor auf La Palma gefangen genommen worden und konvertierte danach zum Christentum. Sie stellte ihre Überredungskunst in den Dienst der Eroberer und erreichte so eine fast unblutige Übernahme der palmerischen Fürstentümer. Lediglich in Taglate war der Widerstand der Einheimischen derart verbissen und blutig, dass sie in die Geschichtsbücher respektvoll als die „Spartaner der Kanaren“ eingingen – eine Wendung, die von einem preußischen Diplomat geprägt wurde.

Die Schluchten der Caldera

Die Schluchten der Caldera

Nur in dem Gebiet der Caldera de Taburiente gab es eine Siedlung mit dem Namen „Acero“, was so viel wie „starker Ort“ bedeutet, und die wegen ihrer steilen Schluchten für die Eroberer schwer zugänglich war. Hier herrschte der unbeugsame Fürst Tanausú, dessen Truppen bis zuletzt erbittert Widerstand leisteten. Der Häuptling der Caldera lehnte es kategorisch ab, sich mit seinem Stamm der spanischen Krone zu unterwerfen. Durch eine List wurde er schließlich überwältigt und als Trophäe mit einem Schiff nach Spanien verbracht. Aus Stolz, sich nicht einer fremden Macht unterwerfen zu müssen, verweigerte er bei der Überfahrt die Nahrungsaufnahme und starb schließlich, bevor das Schiff das spanische Festland erreichen konnte. Dieser ungebrochene Wille zum Widerstand gegen die Eroberer machte ihn auf La Palma zu einem Helden, und man begegnet seinem Namen an vielen Orten der Insel. Denn auch wenn sich nahezu alle Stämme den neuen Herrschern unterwarfen und ihre Sprache und Kultur nach und nach verschwanden, so gilt sein ungebrochener Wille und sein aufopferndes Eintreten für das Wohlergehen des eigenen Volkes vielen Palmeros bis heute als Vorbild.

Eine neue Hauptstadt und das Ende der Guanchen

Santa Cruz de la Palma

Nach der Eroberung duch de Lugo wurden viele der Ureinwohner verschleppt und versklavt, nicht wenige starben schon während der Überfahrt auf den Schiffen und Fregatten an Unterernährung und Krankheit. Am Ende führte somit die gnadenlose Kolonialisierung durch die Spanier zum weitgehenden Verlust der Gunachen-Kultur. Und auch wenn die Bewohner La Palmas gut zwanzig Jahre nach der Eorberung rechtlich den Spaniern gleichgestellt wurden, so blieben ihre Kultur, ihre Religion und ihr Leben vom Einfluss der Eroberer dominiert. Diese schufen sich schon im ersten Jahr nach der Niederschlagung der Stämme ein Denkmal mit der neu ausgerufenen Hauptstadt Santa Cruz de La Palma, die am 3. Mai 1493, dem sogenannten „Tag der Erhebung des Heiligen Kreuzes“, auf den Ruinen der ehemaligen altkanarischen Siedlung Apunyon von Alonso Fernández de Lugo gegründet wurde. In Santa Cruz de la Palma finden sich auch heute noch einige Denkmäler und Statuen, die an die erfolgreiche Eroberung durch die kastilische Krone erinnern.

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